Haus im Sueden
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Das Haus im Süden

Das Haus liegt 15 Kilometer von der Blumenriviera entfernt in den ligurischen Seealpen.
Von Alassio führt eine wildromantische Panoramastraße, die zu Recht so bezeichnet wird, bis nach Caselle.
Wild, weil einmal pro Woche ein Auto in den Abgrund stürzt. Romantisch, weil sie den Ausblick beidseitig aufs Meer und in die Berge gestattet. Bei gutem Wetter sieht man Korsika und den Montblanc.
Diese Landschaft ist nicht lieblich. Die Menschen hier sind auch nicht gerade bekannt für besondere Herzlichkeit. Ein typisch Bergvolk, ähnlich den Basken, Nordiren und Bayern. Verlieben kann man sich trotzdem.
Zum Beispiel in die grandios spartanische Küche in wenig bekannten Berggasthöfen. Da steht die Mama in der Küche und lässt einen in die Töpfe gucken. Sie verwendet die Kräuter, deren Duft einen auf dem Weg begleitet haben. Speisen so köstlich und einfach, dass auf den Firlefanz der Schlemmertempel liebend verzichtet werden kann.

Ganz so ist vieles in Ligurien.

Neben der Straße stehen dunkelblaue Lilien im zarten Grün der Wiesen unter den Olivenbäumen.
Oder wilder Spargel und Knoblauch blühen. Kräuter stehen wie aus dem Bestimmungsbuch überall dazwischen. Bergblumen in einer Farbenpracht, die nach jeder Kurve eine neue Überraschung bietet.
Nach den Olivenhainen geht es in den Bergwald, der so unwegbar wird, dass sich noch heute hier Partisanen verstecken könnten. Dort kommen einem die italienisch fanatischen Jäger entgegen, die das erlegte Wildschwein vorn an der Stoßstange ihrer Jeeps als gut sichtbare Trophäe heimfahren.

Die Geschichte

Begonnen hat die Liebe zu der Gegend und dem Haus 1981. Viele dicke, 400 Jahre alte Steinwände in Luftbauweise und obendrauf ein verwittertes altes Dach. Jeder Raum befand sich auf einer anderen Ebene und war unterschiedlich hoch. Für acht Räume gab es sieben Außentüren.

Der ehemalige Stall für den Esel lag ganz unten. Dort drehte das arme Tier tagein und tagaus die Olivenmühle. Nachts schlief er im Stroh, das auf dem gestampften Lehmboden immer noch lag. Die Decke zum darüber liegen Raum war halb offen. Dort lagerten die Oliven in Körben, die aus den angrenzenden Olivenhainen geerntet wurden. In die terrassenförmig angelegten Olivenhaine war das Haus gebaut. Das hatte zur Folge, dass jede Etage irgendwie auch ebenerdig lag. Die Arbeit des Bauern lag vor der Tür. Die geernteten Oliven wurden ins Haus getragen, auf den Mühlstein geschüttet und vom Esel im Keller zu flüssigen Gold gedreht. In den angrenzenden Kellerräumen lagen die Netze zum Auffangen der Oliven, Kämme aus Holz zum Harken der Zweige, Spaten, Rechen und Sensen in jeder Form und Größe.

Drei Räume, die mit ihrem gestampften, dunklen Erdreich, den dicken Mauern und tief hängenden Balkendecken, ohne Fenster, mit windschiefen, verrotteten Türen eher dunklen Höhlen glichen. Bewohnbar? Wohl kaum.

Auch die darüber liegenden Wohnräume waren karg. In das Schlafzimmer passte ein Doppelbett, mehr nicht. Im Wohnraum ähnliche Dimensionen. Hier hätte niemals eine genormte deutsche Wohnzimmergruppe Platz. Über eine Hühnerstiege kam man in die Küche im absoluten Puppenstubenformat; allerdings mit offenem Kamin, gemauerten  Pizzabackofen und Balkon davor. Irgendwann hatte man für die Tante einen Raum angebaut. Später einen für den Großvater. Sie boten jeweils Platz für Bett, Tisch und Stuhl.

Die Besitzer und ehemaligen Bewohner versicherten, dass mit wenig Geld die Wohnung schnell hergerichtet werden könnte. Maximal 10.000,-- DM waren im Gespräch. Wer brauchte Bad und Toilette? Gewaschen hatte man sich am Brunnen vorm Haus. Für andere Geschäfte war der angrenzende Olivenhain groß genug und auch noch dankbar. Aus Ligurien kommt bekanntlich das beste  Olivenöl.

Angrenzend gab es Mauern, die irgendwem des Familienclans gehörten. Es dauerte Jahre, bis sich die Besitzer outeten. 1998 wurde beiläufig gefragt, ob Interesse bestünde, die angrenzenden Teile käuflich zu erwerben. Die Verhandlungen begannen und konnten erfolgreich abgeschlossen werden.

[Fortsetzung folgt...]